24. Oktober 2020

Infrastrukturen des Zwischenmenschlichen Welche Strukturen braucht eine solidarische Zukunft?

Künstler/innen:

Soft Agency, Malu Blume, Polyphrenic Creatures, Studio Experimentelles Design, Antje Hachenberg, Maternal Fantasies und Konzeptwerk Neue Ökonomie

Bitte beachten Sie: Alle Formate und Termine können sich aufgrund von Maßnahmen rund um Covid-19 verschieben. Alle Aktualisierungen, einschließlich der genauen Zeiten für die einzelnen Beiträge, werden vier bis sechs Wochen vor der Veranstaltung bekanntgegeben.

FILMVORFÜHRUNG / GESPRÄCH
FANTASTIC FUTURES
Video-Arbeiten zu Fürsorge und Kollektivität
Malu Blume & Maternal Fantasies
(Förderpreisträgerinnen der Arthur Boskamp-Stiftung 2019/20)
Im Anschluss Gespräch mit den Künstlerinnen
Moderiert von Sascia Bailer (Artistic Director 2019/20 of M.1)

Zukunftsvisionen ermöglichen es uns, gedanklich einem Alltag zu entfliehen, der uns einengt, in dem wir uns missverstanden fühlen -- und sie bieten gleichzeitig unserem Veränderungsdrang eine Projektionsfläche; eine Plattform. In der diesjährigen Förderpreis-Ausstellung Fantastic Futures im M.1 setzen sich die Preisträgerinnen Malu Blume und Maternal Fantasies künstlerisch gegen eine starre Realität zur Wehr, in der tradierte Geschlechterrollen und überkommene Ideen von Gemeinschaft und Fürsorge festgeschrieben scheinen. Die beiden Video-Arbeiten der Förderpreisträgerinnen der Arthur Boskamp-Stiftung 2019/20 wurden eigens für Fantastic Futures entwickelt und in Hohenlockstedt und Umgebung gefilmt. Somit wird die Region zwischen Nord- und Ostsee zu einer Art Bühne, auf der sich fantastische Zukunftsvisionen abspielen und auf der sich die Spannungsfelder zwischen Euphorie und Wahn in Bezug auf Fürsorge, Gender und Gemeinschaft entfalten. So fragil diese Konzepte auch scheinen mögen, vielleicht sind sie es, die eine andere Zukunft Realität werden lassen können.

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GESPRÄCH
Öffentliches Forum Holo Miteinander
Moderiert von Antje Hachenberg

Im Rahmen des Projekts Holo Miteinander finden im Caféraum des M.1 fünf Erzählcafés mit Menschen und Care-Akteur*innen aus Hohenlockstedt (in Kurz: Holo) und Umgebung statt, bei denen es um den Austausch zu den Themen Mobilität, Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Essen. Im Zentrum stehen die Wünsche, Ideen, Bedürfnisse, Erfahrungen und Fragen, die jede*r Teilnehmer*in zu diesen Themen mitbringt und als Redebeitrag mit den anderen teilt. Aktives und sorgsames Zuhören machen einen wichtigen Teil dieser Veranstaltungsreihe aus, die das Ziel hat, durch den Austausch und das Hinhören Verbindungen untereinander sichtbar zu machen und herzustellen.

Diese sichtbar gemachten Verbindungen haben das Potenzial, weitere Wege für ein solidarisches Miteinander in Hohenlockstedt zu ebnen, um die Dorfgemeinschaft, Care-Arbeit und Inklusion zu fördern und zu wertschätzen. Die Themen und Beiträge der fünf Erzählcafés werden in einem öffentlichen Forum zusammengeführt, bei dem es um die Frage geht, wie die Plattform Holo Miteinander über den Förderrahmen der Bundeszentrale für Politische Bildung hinaus fortgesetzt werden kann und wie sich solidarische Strukturen kollektiv und selbstorganisiert entwickeln lassen.

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SOUND COLLAGE
Polyphrenic Creatures

Begleitet werden die Erzählcafés “Holo Miteinander” von Polyphrenic Creatures, einem Künstlerinnen-Duo aus Ulrike Bernard und Amelie Marei Löllmann. Für ihre künstlerische Arbeit initiieren sie performative Situationen, in denen das Zuhören eine zentrale Rolle einnimmt. Sie (über)schreiben Geschichten und begeben sie sich in dialogischen Begegnungen in einen Gedankenaustausch mit den Besucher*innen. Als Teil der Erzählcafé-Reihe werden sie selbst zu Zuhörer*innen und gestalten mit verschiedenen künstlerischen Interventionen diesen Prozess nicht nur mit, sondern zeichnen ihn auch auf. Aussagen, Stimmungen, Ideen, Verbindungen – vieles, was in Gesprächen sichtbar und unsichtbar geschieht, wird dadurch festgehalten – nicht im Sinne eines “Festlegens”, sondern als Möglichkeit, neue Sichtweisen zu entwickeln, Anknüpfungspunkte für Umgänge zu schaffen und Impulse fürs Mitmischen zu erspüren. Im Rahmen von INFRASTRUKTUREN DES ZWISCHENMENSCHLICHEN präsentieren Polyphrenic Creatures eine Soundcollage, die Gespräche, Erlebnisse und den kollektiven Prozess nachvollzieht und erfahrbar macht.

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AUSSTELLUNG
Archiv der Begegnung
Studio Experimentelles Design, Klasse Prof. Jesko Fezer, HFBK Hamburg: Veronica Andres, Pablo Lapettina, Laura Mahnke, Skadi Sturm

Seit einem Jahr begleiten vier Studierende der Hochschule für Bildende Künste Hamburg die Veranstaltungen des kuratorischen Programms von Sascia Bailer (Künstlerische Leiterin des M.1 2019/20) im M.1, bei denen es um Care und solidarisches Miteinander geht. Wie können diese sozialen Prozesse sichtbar gemacht werden? Welche Spuren bleiben von diesen Interaktionen und Erfahrungen? Können wir ein Archiv dieser Begegnungen herstellen, das öffentlich zugänglich ist – und einer außenstehenden Person eine Form von Teilnahme ermöglicht?

Ausgehend von diesen Fragestellungen ist ein mobiles Archiv entstanden, das aus acht Koffern besteht. Jeder der Koffer bezieht sich auf eine der Veranstaltungen und ermöglicht einen Zugang zu Themen wie Vertrauen, Selbstwert, Isolation und Mutterschaft. Darüber hinaus laden die Koffer zum Mitmachen, -fühlen, und -denken ein. Interessierte können einzelne Koffer dieses Archivs, genau wie andere Medien, in der Gemeindebücherei Hohenlockstedt, ausleihen. Das Archiv lädt zu einer Spurensuche ein, und dazu, sich in Ruhe mit den Themen, den Eindrücken und Erfahrungen zu beschäftigen, und wiederum eigene Begegnungen mit den Inhalten entstehen lassen.

In Kooperation mit der Gemeindebücherei Hohenlockstedt

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WORKSHOP
Gemeinsam statt einsam – Ansätze zur Selbstorganisation
Konzeptwerk Neue Ökonomie

Ob Zuhause, im Verein, auf der Arbeit, unter Freund*innen oder in der Dorfgemeinschaft – es müssen immer Dinge verabredet, abgesprochen und organisiert werden. In dem Workshop untersuchen die Teilnehmenden gemeinsam Strategien der Selbstorganisation; wie kann Verantwortung gemeinsam übernommen werden, sodass die Last auf vielen Schultern verteilt ist, nicht nur auf Einzelnen?
Dazu berichtet die Workshop-Leitung von der Arbeit als selbstorganisiertem Kollektiv, dem Konzeptwerk Neue Ökonomie. Dort gibt es keinen Chef oder Chefin; alle wichtigen Entscheidungen werden gemeinsam im Konsensprinzip getroffen und die Gelder werden nach Bedürfnissen, nicht nach Arbeitszeit verteilt. Wie das funktionieren kann, probieren die Teilnehmenden in diesem Workshop gemeinsam aus und lernen Ansätze von Selbstorganisation kennen.