Künstlerische Leitung M.1 2027/28
Die Kuratorin Keumhwa Kim übernimmt ab Januar 2027 für 1,5 Jahre die künstlerische Leitung des M.1 in Hohenlockstedt.
Keumhwa Kim hat für das M.1 ein Konzept entwickelt, das sich den Wasserwegen der Region widmet. Unter dem Arbeitstitel (In)Visible Tides wird sich ein dreiteiliges Ausstellungsprojekt entfalten, bei dem Wasser anhand künstlerischer Arbeiten nicht nur als verbindendes Element betrachtet wird, sondern als widersprüchlicher Speicher, der gleichermaßen offenbart und verdeckt, erhält und zerstört.
Das Programm orientiert sich an drei zentralen Forschungsfragen: Wie prägen jene Prozesse, die sich der unmittelbaren Wahrnehmung entziehen – wie z. B. unterirdische Wasserwege, wasserwirtschaftliche Regularien, aber auch abgelagerte Erinnerungen – unsere Landschaften als geologische, emotionale und politische Kräfte? Wie kann sich die Landschaft von einer passiven Kulisse zu einem Aktionsfeld künstlerischer und kuratorischer Forschung wandeln? Und wie können gemeinschaftliche Praktiken sowie Wissensformen, die aus Erfahrung entstanden sind, unser Verständnis der materiellen und ökologischen Zusammenhänge zwischen menschlichem und nichtmenschlichem Leben neugestalten?
Künstlerresidenzen, öffentliche Feldforschung in der Region und performative Formate gehen einer Ausstellung voraus, die im Sommer des kommenden Jahres im M.1 in Hohenlockstedt eröffnet wird.
Bereits im vergangenen Jahr hat sich Kim als Co-künstlerische Leitung des Sea Art Festivals 2025 (organisiert vom Busan Biennale Organizing Committee) mit maritimen Übergangszonen beschäftigt, das unter dem Titel Undercurrents: Waves Walking on the Water am Strand von Dadaepo, Busan stattfand. In Hohenlockstedt wird sie die Erfahrung aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Gezeitenlandschaften Koreas in ihre kuratorische Arbeit in Norddeutschland einfließen lassen.
Keumhwa Kim wurde in Südkorea geboren und lebt seit 2003 in Berlin. Als Kuratorin ist sie in Berlin, Seoul und Busan tätig und entwickelt interdisziplinäre und kollaborative Formate an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Aktuell ist sie Curatorial Fellow am Künstlerhaus Bethanien, Berlin.
Das kuratorische Interesse von Keumhwa Kim gilt vor allem Landschaften, Ökologien und ihren Transformationsprozessen, – und darin besonders der Liminalität als einem Zustand, der neue Handlungsräume eröffnet. Innerhalb menschlicher Wahrnehmungs- und Landnutzungssysteme gelten liminale Landschaften – Küsten- und Gezeitenzonen sowie Getbol (koreanische Wattgebiete), Feuchtgebieten – häufig als randständig oder unproduktiv, während sie gleichzeitig fragile Rückzugsorte für vielfältige Lebensformen bieten. Gerade wegen ihrer Verletzlichkeit fungieren diese Landschaften als ökologische Frühwarnsysteme und Wissensarchive, anhand derer sowohl gegenwärtige Krisen als auch zukünftige Bedingungen des Zusammenlebens erforscht werden können.
Kim studierte Kunstgeschichte, Museologie und Germanistik in Seoul und Berlin und schloss mit einem Master of Arts in Kunstwissenschaft und Kunsttechnologie an der Technischen Universität Berlin ab. Zu ihren jüngsten Projekten zählen die Intervention Nägel von Sonya Schönberger in der St. Matthäus-Kirche Berlin (2025) und die Ausstellungsreihe Speaking to Ancestors (2022–2024). Sie kuratierte Kimsooja – (Un)folding Bottari im Humboldt Forum (2023) und entwickelte das Art-Science-Projekt Moss mit ZER01NE / Hyundai Motor Group (2022); seit 2019 betreut sie das Langzeitgartenprojekt Das Dritte Land in Berlin und Erfurt.