Ortsspezifische Kunstwerke für Hohenlockstedt

Ausstellung

Mit Anton Backe, Sæunn la Cour Degnbol, Benedikte Eide, Cecilie Kappel, Johan Buch, Julia Karla, Nina Fjordbak Nielsen, Ruby Mariama Laura Andersen Ndoye, Sarah Folker Kappel

Eröffnung: 13. Januar 2026, 17 Uhr
Ort: M.1, Hohenlockstedt

Im September nahmen neun Kunststudierende der Malmö Art Academy an der Herbst-Assembly im M.1 in Hohenlockstedt teil. Durch Spaziergänge, Zuhören und den Austausch mit Menschen und Orten veränderte sich ihre Praxis als Reaktion auf die spezifischen sozialen, historischen und ökologischen Strukturen dieses Ortes.

Die in dieser Ausstellung präsentierten Werke sind das Ergebnis dieser Begegnungen – Gespräche, gemeinsame Momente und situative Interaktionen, die sich festen Narrativen entziehen. Anstatt Hohenlockstedt darzustellen, reflektieren die Studierenden ihre eigene Position und testen, wie künstlerisches Schaffen aufmerksam, provisorisch und relational bleiben kann.

Archivierter Schutzraum I & II (2026)
Nina Fjordbak Nielsen
Diese ortsspezifische Installation aus zwei Vogelhäuschen – eines innerhalb und eines außerhalb der Einrichtung – spielt mit der Vorstellung einer Zukunft, in der Vogelhäuschen überflüssig geworden sind. Sie ist eine Dekonstruktion des Schutzraums als vermeintlich altruistisches Symbol, in der Vogelhäuschen lediglich als Denkmäler erhalten bleiben.

„Unremembering“ (2026–)
Anton Backe
„Unremembering“ ist ein Vorschlag für ein temporäres Denkmal, das von Zeit, Wetter und biologischem Leben geprägt wird. Die Skulptur ist als ein Werk konzipiert, das von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten besiedelt und nach und nach von Insekten, Mikroorganismen und Moos überwuchert wird. Die Skulptur nimmt die Dimension des nahegelegenen Jägerdenkmals auf, verzichtet jedoch auf die Darstellungen auf dem Denkmal. Auf diese Weise lenkt „Unremembering“ die Aufmerksamkeit auf materielle Prozesse, biologische Zeit und das Verhältnis zwischen Monumentalität und Vergänglichkeit. Die fortlaufende ökologische Transformation etabliert Erinnerung nicht als etwas Stabiles und Dauerhaftes.

Not fully false moon (2026)
Ruby Mariama Laura Andersen Ndoye
Ruby Andersen Ndoyes Illustrationen sind Teil des Forschungsmaterials für ein Kinderbuch über das Leben einer Fledermaus mit und in der Dunkelheit. Es bewegt sich zwischen kindlicher Fantasie und ökologischer Realität und behandelt Dunkelheit nicht als Mangel, sondern als gelebten Raum – einen, der in der Kindheit noch zugänglich ist, bevor Kontrolle, Sicherheit und Beleuchtungssysteme vollständig die Oberhand gewinnen. Die Arbeiten reflektieren über Lichtverschmutzung und deren Auswirkungen auf nicht-menschliche Lebensbeziehungen.

Mittel und Zweck (Waffenkauf im Souvenirladen des Kriegsmuseums) (2026)
Mittel und Zweck (Pause auf der Suche nach Bauplänen und Figuren) (2026)
Sarah Folker
Sarah Folkers Installation besteht aus einer Videoloop-Sequenz (Mittel und Zweck (Kauf von Waffen im Souvenirladen des Kriegsmuseums)) und einer abstrakten Zinnskulptur (Mittel und Zweck (Pause auf der Suche nach Bauplänen und Figuren)). Die Skulptur besteht aus eingeschmolzenen Zinnsoldaten, die im Museum am Wasserturm in Hohenlockstedt erworben wurden, während das Video den Moment und die Umstände ihres Erwerbs dokumentiert. Die Soldaten wurden eingeschmolzen und neu gegossen, fanden jedoch (aufgrund des Widerstands des Materials?) keine neue figurative Form. Das Werk thematisiert materielle Transformation und narrative Brüche. Es verbindet den spezifischen Kontext und die Geschichte von Hohenlockstedt mit übergeordneten Fragen der Produktion, des Umlaufs und der Bedeutungsbildung und lässt so aus dem umgeformten Zinn neue Beziehungen, Zeitlichkeiten und Formen der Kausalität entstehen.

Verteilt über den gesamten Ausstellungsraum:
Omniscient matter (2026)
Julia Karla
500 3D-gedruckte phosphoreszierende Modelle eines keimenden Samens aus PLA, die im Raum verstreut sind und Licht absorbieren und wieder abgeben.

Verteilt über den gesamten Ausstellungsraum:
Von den Künstler*innen aktiviert (2026)
Cecilie Kappel & Sæunn la Cour Degnbol Die Arbeit setzt sich textuell mit Konzepten der Herbstversammlung auseinander. Auf dieser Grundlage entstanden eigenständige, spielerische Aneignungen, die in Form von A4-Ausdrucken im gesamten Gebäude installiert sind. Die Texte fungieren weniger als erklärende Beschriftungen denn als situative Annäherungen, die die Wahrnehmung verschieben, Bezüge herstellen und den Ort sprachlich neu kartieren.

In der Bibliothek:
AUS GEWÄHLTE WERKE, DAS GEDICHT, Haus­gemacht (2026)
Sæunn la Cour Degnbol Die Intervention mit dem Titel „AUS GEWÄHLTE WERKE, DAS GEDICHT, Hausgemacht“ in der Bibliothek von M.1 greift Titel von dort befindlichen Büchern auf und formuliert sie durch poetische Kombinationen neu.