Jo Ha Kyu

Ausstellung

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1. Juli–12. November 2017

Künstler/innen:

In Letters from Panduranga (35 Min., 2016) nähert sich Thi der Region, in der die indigenen Cham beheimatet sind. Landschaft und Leben der Cham sind durch Pläne der vietnamesischen Regierung bedroht, in das spirituelle Herz der Gemeinschaft die ersten zwei Atomkraftwerke des Landes zu bauen. Die Form eines Briefwechsels, mit der dieser Film erzählt wird, vermittelt auf poetische wie melancholische Weise ein künstlerisches Agieren zwischen Distanz und Annäherung, welches anerkennt, dass die gegenwärtige Äußerung im Augenblick ihrer zeitversetzten Wahrnehmungbereits von etwas Vergangenem berichtet haben könnte.

In den Bildern, die Thi für ihre Arbeit Landscapes Series #1 (2013) zusammengetragen hat, wird eine ähnliche Pose immer wieder aufgeführt: jemand zeigt auf etwas in der Landschaft, das sich der Betrachter*in erst einmal nicht erschließt. Etwas, das unmittelbar dort oder in der Ferne, am Bildrand oder darüber hinaus stattgefunden zu haben scheint oder noch stattfinden könnte; Handlungen oder Erscheinungen, ein krimineller Akt, ein mysteriöses Objekt, ein Ereignis der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Das Wissen darüber scheint (noch) verborgen oder verschlüsselt in die Landschaft als Zeugin, Botin oder Archivarin eingeschrieben zu sein.

Wenn sich nach den ersten Momenten des Films Jo Ha Kyu (11:23 Min., 2012) das bewegte Bild langsam einblendet, hat die Tonspur ihren Abdruck im Bewußtsein der Betrachter*in bereits geformt. Der auf angenehme Weise verstörende Sound folgt der ruhigen und präzise rahmendenKamera durch ein Tokio, kurz nach dem japanischen Erdbeben im Jahr 2011. Die mitunter sehr hellen Bilder zeigen Situationen, die (noch) nicht durchweg vertraut erscheinen. Sie vermitteln den Eindruck des mit der Bewegung Öffnenden undAnnehmenden statt eines Nur-Suchenden.