2. Mai 2020
14 Uhr

verschoben: FANTASTIC FUTURES Förderpreisausstellung zu Fürsorge & Kollektivität

Künstler/innen:

Malu Blume und Maternal Fantasies

Zukunftsvisionen ermöglichen es uns, gedanklich einem Alltag zu entfliehen, der uns einengt, in dem wir uns missverstanden fühlen -- und sie bieten gleichzeitig unserem Veränderungsdrang eine Projektionsfläche; eine Plattform. In der diesjährigen Förderpreis-Ausstellung Fantastic Futures im M.1 setzen sich die Preisträgerinnen Malu Blume und Maternal Fantasies künstlerisch gegen eine starre Realität zur Wehr, in der tradierte Geschlechterrollen und überkommene Ideen von Gemeinschaft und Fürsorge festgeschrieben scheinen. Die Preisträgerinnen vereinen Film, Installation und performative Elemente um den thematischen Schwerpunkt der Ausschreibung Care.

Die in Hildesheim geborene Performance- und Videokünstlerin Malu Blume entführt die Betrachter*innen in ihrer Videoarbeit zurück in die Zukunft: The Book of S of I. Chapter One: Three Visions erscheint wie ein Fiebertraum eines künstlerischen Konzeptes, wie eine spontane Vision von dem, was wir hätten werden können. Als queer-feministisches Märchen erzählt, feiert The Book of S of I die utopische Kraft der Selbstliebe an den sozialen Rändern, Zugehörigkeit und Freundschaft als Überlebensstrategie und Fürsorge als radikales Mittel anti-kapitalistischen Widerstands und Lebens.

Die interdisziplinäre Künstlerinnengruppe Maternal Fantasies beschäftigt sich mit dem sowohl gesellschaftlich als auch kunsttheoretisch wenig beachteten Beziehungsgeflecht von Kunst, Kind und Mutterschaft. Familiengeschichten, Erinnerungen, Wünsche, aber auch Horrorszenarien um das Mutter-Sein finden sich in Maternal Fantasieswieder. Mit Performances, Video-Arbeiten und Installationen rütteln sie an verstaubten Mutterbildern und entwickeln eine eigensinnige Ästhetik, die mögliche zukünftige Visionen um Mutterschaft skizziert und die Betrachter*innen dazu einlädt, eigene Rollenbilder zu hinterfragen.

Die beiden zentralen Video-Arbeiten der Förderpreisträgerinnen der Arthur Boskamp-Stiftung 2019/20 wurden eigens für Fantastic Futures entwickelt und in Hohenlockstedt und Umgebung gefilmt. Somit wird die Region zwischen Nord- und Ostsee zu einer Art Bühne, auf der sich fantastische Zukunftsvisionen abspielen und auf der sich die Spannungsfelder zwischen Euphorie und Wahn in Bezug auf Fürsorge, Gender und Gemeinschaft entfalten. So fragil diese Konzepte auch scheinen mögen, vielleicht sind sie es, die eine andere Zukunft Realität werden lassen können.

Kuratiert von Sascia Bailer, Künstlerische Leitung 2019/20 des M.1.