Künstlerische Leitung M.1 2019/20
Sascia Bailer

1. Januar 2019–30. Juni 2020

Der inhaltliche Fokus von Sascia Bailer als Künstlerischer Leiterin des M.1 im Turnus 2019/20 liegt auf dem vielschichtigen Begriff Care [englisch für Pflege, Fürsorge, sich kümmern].
Denn Care- oder Sorgearbeit, bleibt trotz ihrer zentralen gesellschaftlichen Funktion zumeist unsichtbar, unterrepräsentiert und unterbewertet – egal ob innerhalb einer Einrichtung oder in „Hausarbeit“. Dadurch entsteht soziale und ökonomische Prekarität: Isolation bei alten Menschen und jungen Eltern, Armut bei Alleinerziehenden und kinderreichen Familien, fehlende Betreuung von Kleinkindern bis zu alten Menschen, ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern, Mangel an ausreichenden, effektiven Gegenmaßnahmen zur Care Crisis.

Gleichzeitig bildet Care auch den Ursprung des Wortes „Kuratieren“ und eröffnet somit ein Spannungsfeld zwischen seiner Bedeutung als Ausstellungspraxis im Kunstbereich und seiner Funktion als soziale, pflegende Tätigkeit in der Gesellschaft: Wie kann sich künstlerische und kuratorische Praxis auf die Krise der Pflege beziehen; die Unsichtbarkeit von Fürsorge durch künstlerische Projekte sichtbarmachen; und neue Beziehungsmuster knüpfen, die der Marginalität und Isolation von Care-Arbeit entgegen wirken?

Anhand dieser Fragestellung hat Sascia Bailer drei Programmsäulen entwickelt, die Care-Arbeit auf verschiedenen Ebenen adressieren. Dadurch entsteht eine Plattform für Care-Arbeitende und Künstler*innen auf der Austausch, Allianzen und Sichtbarkeiten geschaffen werden können.

I. VOR ORT
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Care-Arbeit ist vielfältig, aber die Probleme sind oft die gleichen: chronische Überlastung, Mangel an Selbstfürsorge, erhöhte Isolation. Diese sind auch in Hohenlockstedt und Umgebung präsent. In einer Reihe von Workshops, die von Künstler*innen geleitet werden, stehen diese Themen im Vordergrund. Den Teilnehmer*innen wird Werkzeug und Wissen vermittelt, die sie in ihren Alltag integrieren können. Anerkennung, Austausch und Vernetzung von Sorgearbeitenden vor Ort wird ermöglicht -- sowie Fürsorge geleistet für jene Menschen, die zumeist Sorge tragen.

Workshopreihe: Care für Care-Arbeitende

19.05.2019, 11-16 Uhr

Die Mutter aller Fragen: Zwischen Mutterbrüsten und Musenküssen
Ein Workshop anlässlich des Muttertags

weitere Termine folgen

II. KUNST
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Im Freiraum der Kunst können neue Strategien entwickelt werden, um sich dem Themenkomplex um Care-Arbeit zu nähern. Gezielt unterstützt werden künstlerische Arbeiten, die an der Schnittstelle von sozialer Reproduktion und sozialer Gerechtigkeit angesiedelt sind – im weitesten Sinne: Kunst, die sich um das Kümmern kümmert. Dies geschieht durch themenspezifische Förderpreise, Atelierstipendien, künstlerische Interventionen und Ausstellungen im M.1.

III. ZUKUNFT
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Im Anbetracht des sozialen Notstands regt sich relativ wenig in Politik und Öffentlichkeit. Die Frage drängt sich auf: Who cares? Verschiedene Positionen aus Kunst, Aktivismus, Wissenschaft und Gesellschaft sollen daher zusammengeführt werden, um gemeinsam über eine solidarische Zukunft der Fürsorge nachzudenken. Welche Strukturen braucht es in Kunst und Gesellschaft, um Inklusion und Gleichstellung Realität werden zu lassen? Welche Ansätze gibt es schon, welche Missstände werden kaum hinterfragt?

Termine

2019

27. April 19:34 Uhr Tausch Dich glücklich mit dem ersten SOCIAL MUSCLE CLUB in Hohenlockstedt