Advancement Awards 2019/20

2019–2020

Maternal Fantasies und Maren Malu Blume erhalten die zwei Förderpreise der Arthur Boskamp-Stiftung.

Award Winners:

Maren Malu Blume and Maternal Fantasies

Jury:

Die Künstlerinnengruppe Maternal Fantasies sowie die Künstlerin Maren Malu Blume sind Preisträgerinnen der Förderpreise 2019/20 der Arthur Boskamp-Stiftung. Gesucht waren künstlerische Positionen und Projekte, die sich mit unterschiedlichen Aspekten von Sorgearbeit auseinandersetzen.

Die Preisverleihung findet am 27. April 2019 im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung statt.

Ausgewählt wurden zwei künstlerische Positionen, die sich kritisch mit Care-Arbeit, Gemeinschaft und Gender auseinandersetzen und dabei auf ganz unterschiedliche Weisen ihre Visionen einer fürsorgenden Zukunft entwickeln:

Die interdisziplinäre Künstlerinnengruppe Maternal Fantasies beschäftigt sich mit dem sowohl gesellschaftlich als auch kunsttheoretisch wenig beachteten Beziehungsgeflecht von Kunst, Kind und Mutterschaft. Die acht Frauen des internationalen Kollektivs leben und arbeiten in Berlin. In regelmäßigen Treffen werden durch künstlerische Forschung, kollektive Kunstwerke und Zusammenleben das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Produktion und Mutter-Sein ausgelotet. Familiengeschichten, Erinnerungen, Vorstellungen, Wünsche, aber auch Horroszenarien um das Mutter-Sein finden sich in Maternal Fantasies wieder. „Das Kollektiv leistet eine wichtige Arbeit, die die Berührungsängste der Kunstwelt mit kunstschaffenden Müttern herausfordert, - etwas, was vor allem im deutschen Kontext noch viel zu selten zu sehen ist. Mit künstlerischen Mitteln die Debatte aufzumischen und neue Beziehungen zwischen Kunst und sozialer Reproduktion zu erforschen ist daher dringend notwendig”, begründete Sascia Bailer die Entscheidung der Jury. Als Künstlerische Leiterin 2019/2020 des M.1 der Arthur Boskamp-Stiftungwar Sascia Bailer neben Ulrike Boskamp (Vorstand der Arthur Boskamp-Stiftung) und Jeanne van Heeswijk (Künstlerin, Gastprofessorin an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg) teil der diesjährigen Fachjury.

Einen Förderpreis erhielt auch die in Hildesheimgeborene Künstlerin Maren Malu Blume, die heute zwischen Berlin und Wien lebt und arbeitet. Ihre Arbeit ist an den Schnittstellen von Kunst, Performance, Bildung und Aktivismus angesiedelt. Blume arbeitet meist in Künstlerinnen-Kollektiven zu Themen der Fürsorge, kollektiver Wissensproduktion, Archivpolitiken, Freund*innenschaft und Queer-Feminismus. Das von Maren Malu Blume vorgeschlagene Videoprojekt ermöglicht einen alternativen und hoffnungsvollen Blick in die Zukunft der Sorgearbeit: Drei Versionen von möglichen Gemeinschaften werden porträtiert, die neue Formen von Fürsorge und Zusammenleben erforschen. „Diese Art der Inspiration, die die kollektive Vorstellungskraft anregt, macht Blumes Arbeit äußerst relevant,” so Sascia Bailer über die Entscheidung der Jury. „Blumes Arbeiten überzeugen außerdem durch ihre eigensinnige Ästhetik und ihre kritischen theoretischen Bezüge.”

Die Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert (für Gruppen mit 4.000 Euro) und wird alle zwei Jahre vergeben. Sie richtet sich an jüngere Künstler*innen mit Bezug zu Norddeutschland (zum Beispiel durch den Geburts- Studien- oder aktuellen Wohnort). Den Preisträger*innen wird eine Künstlerwohnung mit angeschlossenem Atelier in Hohenlockstedt für drei Monate zur Verfügung gestellt. Sie haben weiterhin die Möglichkeit, eine Ausstellung oder Abschlusspräsentation sowie eine Publikation zu realisieren.

Das Thema der Ausschreibung wurde von Sascia Bailer als Künstlerische Leiterin 20191/20 des M.1 festgelegt, denn Care- oder Sorgearbeit steht auch im Fokus ihrer Zeit am M.1. Mit ihrem kuratorischen Programm wird Sascia Bailer der Unsichtbarkeit von Fürsorge, ob von Alleinerziehenden, Angehörigen oder Pflegepersonal entgegenwirken. Im Rahmen von Veranstaltungsreihen und durch künstlerisch-soziale Praxen wird mit kuratorischer Arbeit Care für Care-Arbeit hergestellt – indem Beziehungen, Austausch, Allianzen und Sichtbarkeiten geschaffen werden.

Die Preisverleihung findet am 27. April ab 15 Uhr im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt statt. Das Rahmenprogramm des Abends bildet ein „Social Muscle Club”– diese besondere Art eines Tauschmarkts wurde von Künstler*innen entwickelt und stellt ein gegenseitiges Geben und Nehmen ins Zentrum. Die Förderpreisträgerinnen werden anwesend sein und ihre Arbeiten vorstellen.